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Startschuss in den Winter

Es ist winterlich kalt, von den Bergen bis ins Tal liegt Schnee, der Winter lässt grüßen. Ein Überblick über die Wetter-, Schnee- und Lawinenlage.

Rückblick

Zu Beginn der vergangenen Woche ist zum erstem Mal in der Saison Schnee auch bis in tiefe Lagen gefallen. Die Nullgradgrenze zeigt eindrücklich den Kaltluftvorstoß ab Montag. Mit dem Niederschlag am Montag sind ab mittleren Lagen verbreitet 10-20 cm Neuschnee gefallen, darunter kamen meist nur wenige Zentimeter zusammen. Durch die anhalten tiefen Temperaturen ist dann mit dem nächsten Schneefall, am Donnerstag, der Schnee bis in viele Täler vorgedrungen.

Abbildung: Mit der Ankunft der Kaltluft, rauscht die Nullgradgrenze auf niedrige Höhen hinunter.

Abbildung: Vormals noch apere Berge, haben seit Montag ein Winterkleid.

Wetterlage

Über den Polargebieten liegt eine Luftmasse, die deutlich kälter ist als die Luft weiter Richtung Äquator. Dort wo die Luftmassen aneinandergrenzen liegt der sogenannte Jet-Stream, ein wellenförmiges Starkwindband, der unser Wettergeschehen steuert. Denn je nachdem wie stark die Wellen ausgeprägt sind, desto weiter stößt die kalte Luft in den Süden vor. Aktuell sieht man, dass Europa genau in einem Wellental liegt. Polare Luft kommt bis an die Alpen, die Temperaturen sind außergewöhnlich tief.

Abbildung: Karte mit Blick auf den Nordpol. Polare Luftmassen (Blautöne) können bis weit in den Süden ausgreifen; roter Kreis: aktuelle Nordanströmung nach Europa.

Abbildung: Abweichung der Temperaturen vom typischen Wert zur Jahreszeit. Blautöne: kälter als gewöhnlich, Rottöne: wärmer als gewöhnlich.

 

Während dem Winter passiert das natürlich immer wieder, in unterschiedlicher Ausprägung und Dauer. Auch in der letzten Saison hat ein Kaltlufteinbruch am 20.11. etwas Schneefall bis in die Täler gebracht. Nach wenigen Tagen war die Kältewelle aber wieder vorbei. Dieses Jahr bleibt uns die kalte Luft, trotz etwas wärmeren Temperaturen ab dem Wochenstart noch erhalten.

Abbildung: Das Meteogramm für Zell am See zeigt leicht ansteigende Temperaturen, die jedoch weiterhin im unterdurchschnittlich Bereich liegen.

Das derzeitige Schneefallereignis, beginnend mit Donnerstag, hält noch bis Samstagmorgen an. Durch die Kälte und für Schneefall relativ trockene Luft bilden sich Schneekristalle, die sich besonders locker ablagern und die das Herz eines jeden Schneeenthusiasten höherschlagen lassen.

Abbildung: Besteht der Schnee aus diesen Schneekristallen, lagert er sich besonders locker ab.

Insgesamt kommen bis Samstag nördlich der Hauptkamms verbreitet 10 bis 20 cm, in höheren Lagen ca. 30 bis 50 cm lockerer Neuschnee zusammen. Südlich des Hauptkamms sind die Schneemengen mit 10 bis gut 20cm Neuschnee geringer.

Für weiteren ergiebigen Schneefall in den kommenden Tagen braucht es zur kalten Luft noch Feuchte, die in Form eines Tiefdruckgebiets daherkommt. Wie die Punktprognose der Neuschneemenge an der Schmittenhöhe zeigt, ist ab kommenden Dienstag wieder Schneefall prognostiziert.

Abbildung: Der Neuschnee ist stellenweise schon leicht gebunden. Ein ideales Brett, noch fehlt die Schwachschicht.

Schneelage

Obwohl die Berge gerade sehr winterlich ausschauen, ist die Schneelage für Unternehmungen im freien Gelände nach wie vor noch grenzwertig. Der Neuschnee ist noch zu ungebunden und die Unterlage nicht bzw. nicht flächig genug vorhanden. Für Skitouren ohne Bodenkontakt muss sich der gefallene Schnee zuerst noch setzen. Der Ausblick in die kommende Woche verspricht ja weiteren Pulverschnee.

Lawinenlage

Aktuell besteht die Schneedecke, dort wo vor Montag eine Altschneedecke vorhanden war (hohe und/oder schattseitige Lagen), aus einem harten Schneefundament auf dem lockerer, ungebundener Neuschnee liegt. Einige Schneeprofile zeigen einen deutlichen Temperaturgradienten am Übergang von Alt- zu Neuschnee. Dieser Gradient bewirkt durch Wasserdampftransport aufbauende Umwandlung, also die Bildung von kantigen Kristallen innerhalb der Schneedecke. Es wird sich vermutlich in den kommenden Tagen eine Schwachschicht im unteren Teil des Neuschneepakets bilden – derzeit befinden sich dort schon kleine kantige Kristalle.

Abbildung: Der Temperaturverlauf im Schneeprofil weist darauf hin, dass innerhalb der Schneedecke Umwandlungsprozesse stattfinden.

Problematisch wird die Schwachschicht dann, wenn gebundener Schnee oberhalb der Schicht liegt. Eine leichte Bindung im oberen Bereich der Schneedecke konnte bei Schneedeckenuntersuchungen am Freitag festgestellt werden, auch dünne Winddeckel waren stellenweise innerhalb des Neuschneepakets zu finden. Kommen also Bindung und Schwachschicht in den kommenden Lagen zusammen, bildet sich ein Altschneeproblem aus.

Abbildung: Der Neuschnee ist stellenweise schon leicht gebunden. Ein ideales Brett, noch fehlt die Schwachschicht.

Der Neuschnee ist bei relativ wenig Wind gefallen, sodass sich meist nur kleinräumig Triebschnee ausbilden konnte. Der Wind in den nächsten Tagen kann den lockeren Schnee weiter verfrachten, sodass sich besonders im Nahbereich von windexponierten Stellen frische, störanfällige Triebschneeansammlungen bilden.

 


Veronika Krieger hat Maschinenbau und Meteorologie studiert und arbeitet seit 2021 im Team der GeoSphere Austria in Salzburg. Schon von Kindesbeinen an hat Veronika viel Zeit in den Bergen verbracht - im Sommer am Fels, im Winter auf Eis und Schnee. Seit der Wintersaison 2022/23 arbeitet sie als Lawinenprognostikerin im Team des Lawinenwarndienstes Salzburg.