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Neuschnee bei hoher Schneefallgrenze

Aktuelle Situation

In den vergangenen Tagen herrschte Tiefdruckeinfluss, durch den wärmere Luftmassen aus Südwesten herangeführt wurden. Bei ansteigenden Temperaturen mit Niederschlag hat sich die Schneedecke stark gewandelt. Abhängig von der Höhenlage sind damit verschiedene Lawinenprobleme entstanden.

Unterhalb von 2000 m hat der Niederschlag in Form von Regen eine Setzung der Schneedecke zur Folge gehabt. Alte Triebschneepakete sind dadurch nicht mehr anzusprechen, auch etwaige Schwachschichten in der Altschneedecke haben sich bis auf 2500 m durch die höheren Temperaturen und den Regeneintrag (unterhalb von 2000 m) verfestigt.

Die Gleitschneeproblematik ist jedoch durch den Regeneintrag angestiegen. Außerdem ist durch die Durchfeuchtung der Schneedecke auch ein Nassschneeproblem entstanden.

In den Hochlagen sind an der Alpennordseite bis zu 30 cm Neuschnee gefallen, verbreitet bis zu 10 cm. Der Neuschnee wurde am Wochenende bei teils stürmischem West- und Südwind umfangreich verfrachtet, wodurch die Triebschneeproblematik erneut angestiegen ist. Die Störanfälligkeit der Triebschneepakete steigt mit der Höhe an. Nahe der Schneefallgrenze konnte sich der Neuschnee noch gut mit der Altschneedecke verbinden.

Abb. 1: Die Messstation an der Biedereralm zeigt die höheren Temperaturen seit Freitag, 8.12.2023, und einen Rückgang der Schneedecke.

Abb. 2: Am Kitzsteinhorn ist in den Messdaten ebenfalls ein Temperaturanstieg zu erkennen, die Schneehöhe bleibt trotz Neuschneezuwachs etwa gleich. Der teils stürmische Wind hat den Neuschnee verfrachtet.

Abb. 3: Differenz der Gesamtschneehöhe mit Setzung in den letzten 24h. In den Tälern ist ein Rückgang zu erkennen, oberhalb von 2000 m ist die Schneedecke angewachsen.

Abb. 4: Gleitschneelawinen sind diesen Winter vielerorts zu beobachten. Wie hier an der Klingspitze [9.12.2023; Foto: Uta Philipp].

Abb. 5: Am Gipfel der Schöpfings herrschte am 10.12.2023 Schneetreiben. Der Neuschnee wurde vom teils stürmischen Wind verfrachtet [Foto: SteepSkiMichael].

 

Weitere Entwicklung

Zunächst bleibt die Nullgradgrenze weiterhin hoch. Ab Mittwoch sinkt die Nullgradgrenze allmählich wieder auf unter 1000 m, bis zum Ende der Woche sinkt sie weiter bis auf ca. 600 m. Das heißt der Niederschlag von Dienstag und Mittwoch fällt in den mittleren bis tiefen Lagen noch als Regen. Zum Ende der Woche schneit es dann wieder bis in die Täler.

Abb. 6: Wetterentwicklung in den kommenden Tagen am Sonnblick.

 

Bis Mitte der Woche bleiben in tiefen Lagen Gleit- und Nassschneeproblem also erhalten. Im Verlauf der Woche stabilisieren sich die Verhältnisse dann.

Innerhalb der nächsten 72 h fallen am Alpenhauptkamm verbreitet 20-30 cm Neuschnee. In der Höhe sind bis zu 70 cm möglich. Auch in den folgenden Tagen werden erneute Schneefälle erwartet, wie die Punktprognose am Kitzsteinhorn zeigt.

Abb. 7: Neuschneezuwachs in den nächsten 72 h. Der Schwerpunkt der Schneefälle in Salzburg liegt am westlichen Alpenhauptkamm.

Abb. 8: Punktprognose für den Neuschneezuwachs am Kitzsteinhorn.

 

Der Wind bleibt weiterhin ein Thema. Besonders am Dienstag weht er noch stark, und auch zum Ende der Woche frischt er wieder auf. Das Triebschneeproblem bleibt also bestehen, immer wieder können frische Triebschneepakete entstehen.

Durch die Phase mit geringeren Windstärken und Schneefall, ausgehend von Mittwoch bis in den Donnerstag hinein, können die Triebschneepakete immer wieder überschneit werden und damit schwer zu erkennen sein.

In diesem Fall kann es sein, dass wir gebietsweise ein Neuschneeproblem kommunizieren. Dieses Problem wird nicht nur ausgegeben, wenn große Mengen an Neuschnee fallen, sondern auch, wenn man Gefahrenstellen nicht erkennen kann. Im Unterschied zum Altschneeproblem besteht die Gefahr aber nur einige Tage.

 

Rückblick in Bildern

Abb. 9: Am Donnerstag, 7.12.2023, herrschten am Hochkönig beste Bedingungen. Auf der Südseite… [Foto: Hans Weber]

Abb. 10: … als auch auf der Ostseite [Foto: Uta Philipp].

Abb. 11: Auch am Samstag, 9.12.2023, konnte man unterhalb von 2000 m noch Pulverschnee finden [Foto: Peter Ortmeier].

Abb. 12: Am Sonntag, 10.12.2023, wurde es laut Leonhard Stock unterhalb der Torsäule dagegen „ein bisschen schnittig“.

Wir haben schon einige wichtige Informationen von euch erhalten! Teile deine Eindrücke und Beobachtungen mit uns unter lawine(at)salzburg.gv.at oder mit der gesamten Touren-Gemeinde im Tourenportal der LWDs (https://skitourenportal.eu/salzburg). Neu steht auch die Plattform SNOBS zur Verfügung (https://www.snobs.live/login).

Fotos, Schneeprofile oder andere Beschreibungen können uns wertvolle Hinweise zur aktuellen Situation geben. Danke!


Veronika Krieger hat Maschinenbau und Meteorologie studiert und arbeitet seit 2021 im Team der GeoSphere Austria in Salzburg. Schon von Kindesbeinen an hat Veronika viel Zeit in den Bergen verbracht - im Sommer am Fels, im Winter auf Eis und Schnee. Sie war Teil des DAV Expedkaders 2016 und ist seit Jahren Beobachterin und Wochenberichtsautorin des bayerischen Lawinenwarndienstes. Seit der Wintersaison 2022/23 arbeitet sie als Lawinenprognostikerin im Team des Lawinenwarndienstes Salzburg.