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Schneedecke

Tückischer Triebschnee im Lungau

Die Situation im Bundesland Salzburg stellt sich momentan extrem unterschiedlich dar: Während im Norden, etwa in der Osterhorngruppe, noch kaum brauchbare Tourenverhältnisse herrschen, ist die Schneelage im Lungau bereits sehr gut. Mehrere Tiefdruckgebiete an der Alpensüdseite brachten dort üppigen Neuschnee. Allerdings ist der Schneedeckenaufbau momentan sehr ungünstig. Ein Blick in die Wetterdaten der Station Katschberg gibt Aufschluss darüber:

Bis Weihnachten herrschte recht milde Witterung und an der Schneeoberfläche bildeten sich glatte Harschkrusten. Mit Winddrehung auf Nordwest kühlte es zu Weihnachten nachhaltig ab und an den Harschkrusten setzt die aufbauende Umwandlung ihre Arbeit zügig fort. Das Ergebnis der klaren und kalten Strahklungstagen sind weiche Schichten aus bindungslosen kantigen Kristallen und teilweise auch Reif auf den Oberflächenkrusten.

Vor dem 27.12. war das noch problemlos. Es herrschten günstige Bedingungen, nur der Pulver wurde stumpf und "raschelte" beim Befahren.

Mit der ab dem 27.12. einsetzenden Südföhnlage wurde nun massiv Triebschnee auf diese Unterlage gelegt, der am 28.12. von einer stattlichen Neuschneeauflage - ebenfalls unter Windeinfluss aus Süden gefallen - überdeckt wurde. Mit den Triebschneepaketen aus unterschiedlichen Richtungen hat sich die Gefahrensituation innerhalb weniger Tage grundlegend geändert. Die Gefahrenstufe stieg auf ERHEBLICH.

Das Problem für viele TourengeherInnen und Schneesportler war dabei, die geänderten und angekündigten Verhältnisse entsprechend wahrzunehmen und angemessen darauf zu reagieren.

 

Die Kombination aus schlechtem Schneedeckenaufbau und zahlreichen Wintersportlern führte in den Nockbergen zu einigen Schneebrettauslösungen. So etwa am 29.12. auf der Matehanshöhe. Das folgende Bild zeigt, wie ein unspektakulärer Hang zu einer beinahe-Katastrophe führen kann: Drei Variantenfahrer geraten bei schlechter Sicht in den Fußbereich eines stark mit Triebschnee beladenen Hangs und lösen ein Schneebrett aus, das zwei Wintersportler total (bis zu 2 m tief) und einen dritten bis zum Bauch verschüttet. Der teilverschüttete Wintersportler rettet seinen beiden Begleitern das Leben, indem er sie binnen 20 Minuten aus der Lawine befreit.


Foto: M. Butschek

Eine weitere Schneebrettauslösung wurde am 30.12. auf der gegenüberliegenden Talseite auf der Rosaninhöhe beinahe zwei Tourengehern zum Verhängnis. Ein Snowboarder löste bei der Abfahrt ein ca. 70 m breites Schneebrett aus, konnte seinen Lawinenairbag aber noch rechtzeitig auslösen und wurde nur teilverschüttet. Gemeinsam mit seiner Begleiterin konnte er selbständig und unverletzt abfahren. Auch hier war der letzte Triebschnee auf der glatten Bruchfläche die Ursache. Vorbildlich ist zu vermerken, dass sich die Tourengeher nach dem Lawinenabgang beim Bergrettungsnotruf 140 gemeldet und über den glimpflichen Ausgang berichtet haben. So wurde ein aufwändiger Rettungseinsatz verhindert. Auch weitere Lawinenauslösungen wurden an diesem Tag im Bereich um Schönfeld gemeldet.


Foto: M. Butschek